• Heidi Hell

Vegan oder Nicht-vegan? Das ist nicht die Frage!

“Sondern?” fragte meine Tochter trocken, nachdem ich ihr den Titel auf weißem Papier präsentierte. Mit einer Gegenfrage hatte ich nicht gerechnet, aber ich werde bis zum Ende des Artikels eine Antwort darauf finden müssen.

Davor der eigentliche Anlass meiner Titelfrage.

Wenn ich bei meinen Blogkollegen auf vegane Rezepte stoße, dann stelle ich mir vor, dass Der- oder Diejenige sich vegan ernährt. Aber das muss ja gar nicht sein. Da ich nun auch schon einige vegane Rezepte veröffentlicht habe, möchte ich gerne feststellen, dass auch ich keine Veganerin bin. Ich finde es aber aus mehreren Gründen sinnvoll, den pflanzlichen Lebensmitteln den eindeutigen Vorzug zu geben und auf tierische zu verzichten, wo es geht. So steht es ja auch in den Ernährungsempfehlungen: täglich 9 Portionen pflanzliche und 3 Portionen tierische Lebensmittel.

Sehen wir uns die Speisekarte im österreichischen Gasthaus an! In der letzten Woche war ich urlaubsbedingt fast täglich in einer Gastwirtschaft essen. Ich habe nicht mitgezählt, aber vom Gefühl her war das Verhältnis der angebotetenen vegetarischen zu den Fleisch- und Fischgerichten bei etwa 1:8! Dabei sind die Fleischportionen durchschnittlich wahrscheinlich noch doppelt so groß wie die empfohlene Gesamtmenge für einen ganzen Tag.

Oder ein Lebensmittelprospekt. Doppelseiten mit Fleisch und Fisch, aber Gemüse und Obst teilt sich die letzte Seite mit den Blumenangeboten und der Veröffentlichung der Öffnungszeiten.

Man könnte fast das Gefühl bekommen, dass Handel und Gastgewerbe andere Ansichten über gesunde Ernährung haben. Scheinbar die wirksamere. Denn der Durchschnitts-Konsument isst fast doppelt so viel Fleisch wie empfohlen.

Abgesehen von den gesundheitlichen Nachteilen: Mit jeder Generation entfernen wir uns mehr und mehr von den Tieren, die wir zur eigenen Gaumenfreude halten, mästen oder melken und schließlich schlachten. “Ich könnte niemals ohne den guten Geschmack von Fleisch leben”, bekommt einen allzu bitteren Beigeschmack, wenn man vor den Details der “Fleischproduktion” nicht die Augen verschließt.

Die Frage ist also nicht, ob ein Mensch Veganer oder Nicht-Veganer ist, sondern: Wie ist es dazu gekommen, dass wir so viele tierische Lebensmittel essen?, wenn wir uns auch zu Tierfreunden und Tierschützern erklären und wenn uns unsere eigene Gesundheit am Herzen liegt? Eine Frage, die wohl für keinen leicht zu beantworten ist.

Ich bin sicher, dass “Vegan” bald gesellschaftsfähig sein wird, es mehr und mehr vegane Varianten zu Rezepten geben wird, wo wir heute meinen, es kann keine Alternative geben. Dass man vegane Speisen anbieten muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Dass man auch ohne Erklärung vegane Würstel essen darf, solange es Fleischesser gibt, die nicht wissen, was in ihrer Wurst alles drinnen steckt.

Die Verschiebung des Verhältnisses von tierischen zu pflanzlichen Lebensmitteln, die in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden hat, wird sich langsam wieder umkehren. Handel und Gastgewerbe werden die Mediziner und Ernährungsberater dabei hoffentlich unterstützen. Teilweise geschieht das ja auch schon!

“Make the healthy choice the easier choice”, heißt es so schön. Gesundheit für uns selbst, unsere Mitmenschen, die Tiere und unsere Umwelt.

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