• Heidi Hell

Darf man jetzt schon?

Ich gestehe – ich habe letzte Woche Erdbeeren gekauft. Nein, keine aus Österreich, ich weiß auch nicht, woher sie kamen. Ich habe nur daran gerochen und sie für aromatisch und damit kaufwürdig befunden. Es handelte sich – weil Mitte April – auch nicht um die oft genannten “Erdbeeren im Winter”. Zuhause musste ich (Ernährungsberaterin) mir dann den Rüffel meiner Tochter wegen meiner schlechten Lebensmittelwahl anhören. Keineswegs den ersten, jedoch blieb er nicht ohne Konter. Ab und zu nämlich landet eine Avocado in ihrem Einkauf, erinnerte ich sie. Auch die sind ökologisch nicht sooo unbedenklich. Damit war meine Tochter nun ruhig, aber in meinem Kopf ging es weiter. Ist das alles? 2 Schalen “ausländische” Erdbeeren im Jahr und ein paar Avocados? Nein! Zwar kaufe ich sehr, sehr selten Bananen, aber hin und wieder eine Mango. Ab und zu – vor allem im Winter – Orangen und Mandarinen. Zitronen gibt es sowieso fast das ganze Jahr über im Kühlschrank. Bei frischem Gemüse greife ich im Winter auch zu ausländischer Ware. Mandeln, Haselnüsse (obwohl heimisch kommen sie oft aus der Türkei), Knoblauch (auch da muss man schauen, ob er nicht aus China importiert wurde), Kaffee, Kakao, Vanille, Zimt, Kardamom, … Die Liste der nicht-regionalen Lebensmittel in meiner Küche ist lang. Länger als gedacht und als mir lieb ist. Aber worauf würde ich denn verzichten?

Klar ist für mich, dass ich lieber die heimischen Betriebe, die heimische Landwirtschaft und damit die Natur vor meiner Haustüre unterstützen möchte. Dafür zahle ich auch mehr Geld oder schaue nicht auf den Preis.

Klar ist für mich, dass regionale und saisonale Lebensmittel für mich und meine Gesundheit besser geeignet sind als Lebensmittel aus entfernten Regionen mit anderen klimatischen Bedingungen.

Entscheidungen zu treffen ist nicht immer einfach, nicht alles steht auf der Verpackung. Stimmt es, dass der Kauf von importiertem, griechischem Bio-Paprika weniger CO2-Ausstoß verursacht als konventioneller Paprika aus der Heimat? (Kunstdünger, Treibhäuser,…). Und wieviel “Umweltverschmutzung” spare ich ein, wenn ich statt der durchschnittlichen österreichischen 63 kg Fleisch im Jahr vielleicht nur 3 kg gekauft habe (wieviel davon gegessen wird, ist ja noch eine andere Frage)? Hab ich dann schon die ausländischen Erdbeeren gut?

Eines habe ich schon öfter bemerkt. Wir wählen ein beliebiges Lebensmittel aus einer Lebensmittelgruppe aus und erklären es zum “schwarzen Schaf”. Die “Erdbeeren im Winter” sind so ein Beispiel eines No-Gos am Speiseplan. Das beliebte dunkelbraune, kohlensäurehaltige Getränk, das weltweit vermarktet wird ein zweites. Die Folge ist, dass automatisch alle anderen Schäfchen weißgewaschen sind. Auch wenn sie durchaus vergleichbar sind mit diesem einen schwarzen Schaf. Wird das eine verboten oder schlecht gemacht, sucht man einen möglichst gleichwertigen Ersatz und denkt, er sei gesünder!


Mein Tipp: Nur Lebensmittel kaufen, die wenig verarbeitet sind. Wo es möglich ist selbst zubereiten und kochen oder einfache Lebensmittel essen. Wenn man sich das in kleinen Schritten angewöhnt, erkennt man erst den Wert und den viel besseren Geschmack einfacher, selbst zubereiteter Speisen.

Übrigens: Fruchtjoghurts schneiden im Geschmackstest dann gut ab, wenn sie ordentlich aromatisiert sind. Da können dann selbst die sonnengereiften Erdbeeren nicht mithalten, wenn ein Gaumen derartig verwöhnt ist.

Meine Erdbeeren verspeiste ich übrigens mit vollem Genuss. Ich merke, wie nach dem Winter, wo mir das Gemüse lieber ist, nun die Obstsaison wieder kommt. Ein paar Wochen dauert es jedoch noch, bis sich die österreichischen Blüten zu Früchten gewandelt haben. Die überstehe ich jetzt aber auch ohne ausländische Erdbeeren!

Fotoquelle Beitragsbild: pixabay.com

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